Okay, Hefte raus – Klassenarbeit! Jetzt sind Mitdenken und Fleiß gefragt, denn in der heutigen Stunde geht es um einen Film, aber viele Titel. Aufpassen!

SCHULMÄDCHEN ’84 (damit fangen wir an) hatte ich schon länger auf dem Schirm. Ich war neugierig, wie man mitten in der NDW-Zeit einen Quasi-Nachfolger der Schulmädchen-Reports, die ja 1980 ausgelaufen waren, auf die Beine stellen konnte. Mitbekommen hatte ich seinerzeit nur, dass die BRAVO kaum genug Wege fand, die paar Szenenfotos mit nackten Tatsachen groß und mehrfach ins Heft zu heben. Business as usual. Auch die CINEMA ließ sich nicht lumpen, gönnte dem Streifen aber gerade mal eine enttäuschend züchtige Seite:

Die Tatsache, dass man sich jeder Wertung enthielt, lässt mich vermuten, dass für ein Pressescreening damals kein Bahnhofskino frei war.

Mit angeblich knapp 170.000 Zuschauern ging der Low Budget-Streifen wieder aus den Sälen der Republik – relativ erfolgreich, auch wenn dabei vermutlich die Zahlen der Zweitverwertung eingerechnet sind. Denn man startete die 84er-Schulmädchen ein paar Monate später noch einmal, allerdings unter einem deutlich deutlicheren Titel:

Erstaunlich, was man sich damals alles einfallen ließ, nur um noch ein paar Kopeken an den Kinokassen einzufahren. Es mag auch mit der Zweitauswertung zu tun haben, dass der Film erst 1986 auf Videokassette veröffentlicht wurde. Weil der Titel SCHULMÄDCHEN 84 dafür denkbar ungeeignet war, aktualisierte man ihn einfach:

Ganz genau: aus den SCHULMÄDCHEN ’84 wurden nun die SCHULMÄDCHEN ’86 – WIE SIE WIRKLICH SIND.

Aber damit nicht genug: wer die 80er nüchtern erlebt hat, erinnert sich an BILD-Editionen mehr oder weniger populärer Filme, die für zehn Mark im Pappschuber verramscht wurden, laut Aufdruck "auch als Leerkassette verwendbar". Diese Veröffentlichungen wären eine eigene Doktorarbeit wert, denn hier wurden Filme fleißig geschnitten, umbenannt und mitunter landeten auch TV-Episoden als "original Kinofassung" auf dem Wühltisch. So wurden ein paar Folgen der Comedy-Serie SLEDGE HAMMER einfach mit dem Spruch aus LEATHAL WEAPON versehen und frisch vermarktet ("Ein Schwarzer und ein Spinner sind immer die Gewinner"). Aus dieser Pappbox-Fundgrube habe ich vor 11 Jahren DIE HEXE UND DER KRIEGER besprochen.

Und in dieser Ramsch-Edition fanden sich einige Zeit später auch die Schulmädchen wieder – erneut und sehr clever unverbindlich zu SCHULMÄDCHEN HEUTE – … WAS SIE NACH DER SCHULE TREIBEN umgetitelt:

Damit war dann aber erst mal Schluss – im ersten großen Boom der DVD-Releases kam der Film nicht vor, er konnte auch vom neuen Interesse an den REPORT-Streifen nicht profitieren. Erst 2013 erbarmte sich MCP und kombinierte die beiden Erst-Titel kunstvoll zu:

Zu dem Zeitpunkt hatte ich mir allerdings schon eine der alten VHS-Kassetten besorgt und zu einer DVD-R gewandelt, deren schrabbelige Qualität die Grundlage der heutigen Fotostory liefern muss.

Vorab: Es handelt sich zwar bei SCHULMÄDCHEN ’84 um einen Episodenfilm, aber nicht im Sinne der älteren REPORT-Filme, die meistens vier oder fünf kurze Sex-Geschichten mit gemeinsamen Darstellern und einer Rahmengeschichte versahen. Stattdessen werden tatsächlich 11 kurze Episödchen vergleichsweise wahllos aneinander geschnitten. Ein Thema, eine Reihenfolge oder einen roten Faden sucht man vergeblich.

Genug der Vorrede – stürzen wir uns in die wilde Wollust der frühen 80er!

Schon die Credits sind eine Fundgrube für trashgestählte Connaisseure:

Jaqueline Elber kennen wir natürlich aus dem grandiosen Epos MACHO MAN mit René Weller, dem ich an dieser Stelle vor vielen Jahren bereits gehuldigt habe. Als erkennbare Non-Schauspielerin (ähnlich wie Sonja Martin in GURU JAKOB neulich) wurde sie zumeist auf ihre äußerlichen Vorzüge reduziert, für die man sich allerdings keinen der Filme anschauen musste – das deutsche PENTHOUSE März 83 reichte völlig aus:

Dazu noch die deutsche Knitterfresse Rolf Zacher und John "Jonny" Jürgens, tatsächlich Sohn von Udo Jürgens und in den letzten Jahren für die musikalische Untermalung der Sendung "Doppelpass" zuständig. Kannste dir nicht ausdenken.

Dass sich einer der Beteiligten dank Pseudonym "Speedy" nicht erkennen lassen will, ist fast schon eine Referenz an den Pornofilm, in dem sowas ja üblich ist.

Aber da geht noch mehr:

Hier haben wir Angelika Böck, die bei einer CINEMA-Fehde mit Regisseur Eckhard Schmidt die Hoffnung äußerte, künftig mehr mit bekleideten Rollen reüssieren zu können. Sie sollte sich täuschen, wie ihr IMDB-Eintrag belegt.

Franz Marischka? Hatten wir doch neulich erst – als Regisseur vom GURU JAKOB.

Und siehe, einer der Autoren (Rainer Grupe) hat sich selber auch einen Auftritt gegönnt. Grupe ist im internationalen Film-Business immer noch unterwegs und kann einen Producer-Credit bei THE CRYING GAME  vorweisen, immerhin.

Weiter, immer weiter:

Otto (W.) Retzer. Natürlich. Warum nach dem Regisseur von GURU JAKOB nicht auch noch einer der Verantwortlichen des LUTSCHBONBON-KAKTUS? Wahrlich, die deutsche Trash-Komödie ist ein inzestuöser Sumpf.

Susan Winter. Aka Susann Winter. Aka Susann B. Winter. "Bekannt" u.a. aus DIE SUPERNASEN mit Thomas Gottschalk (den ich mir hier auch noch irgendwann vornehmen werde), heute verheiratet mit einem angesehenen österreichischen Theater-Regisseur. Und es hätte ja mit dem Teufel zugehen müssen:

Wer das aus journalistischen Gründen recherchieren will – Ausgabe Oktober 1984. Bonus Fact 2020: Sie spielte 1990 mal in der Serie PENSION CORONA mit.

Aber jetzt, jetzt wird es WIRKLICH interessant – selbst die Band, die einen Großteil der Songs zum Soundtrack beisteuert, taucht in der Castliste auf, samt Sänger:

Ja, er ist es – Terence Trent D’arby, damals noch Terence Darby, heute als Sananda Maitreya unterwegs. Es ist für jüngere Leser wahrscheinlich kaum vorstellbar, was für ein Erdbeben der Mann im Pop-Business 1987 auslöste:

Er galt als DIE neue Entdeckung, als "triple threat" aus Tanz, Gesang und Songschreiber. Leider hatte er auch ein monströses Ego und setzte alles daran, dem Erfolg mit einem desaströsen zweiten Album ein schnelles Ende zu bereiten. Kein Wunder, dass sein Eintrag in der großartigen Encyclopedia of Classic 80s Pop so beginnt:

Und siehe: drei Jahre vor seinem Durchbruch war er Sänger und Songschreiber einer Frankfurter Band namens THE TOUCH – und spielte in SCHULDMÄDCHEN ’84 mit!

Der Rest der (primär weiblichen) Besetzung weist genau einen IMDB-Eintrag auf – diesen. Man darf davon ausgehen, dass Regisseur und Produzent primär in der Münchner Fußgängerzone gecastet haben.

Aber es gibt noch ein weiteres leckeres Detail in den Credits zu entdecken – wessen Namen lese ich denn da bei den Standfotos?

Sabrina Lallinger. Besser bekannt als Sabrina Fox-Lallinger und Moderatorin der 1994 kapital gefloppten TV-Show "Traumjob", für die sie vom ZDF jedes Mal aus Los Angeles eingeflogen wurde, was eine breite Diskussion über Gebührenverschwendung auslöste. Galt bis zu dem Moment als eine der großen Hoffnungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Danach nicht mehr. Heute barfüßige Hypnosetherapeutin. You heard me.

Kommen wir zu den Machern des Machwerks:

Grupe habe ich ja schon erwähnt, und Wojatzek scheint sich später eher dem Computer-Journalismus gewidmet zu haben, wenn die Recherchen nicht täuschen. Aber dann ist da noch er – Wolfgang Büld. Ein Mann, eine Legende, und in einer gerechten Welt ein zukünftiger Interviewpartner.

Büld verdanken wir:

DIE ANDRO-JÄGER

GIB GAS – ICH WILL SPASS

DER FORMEL EINS-FILM

PLEM PLEM DIE SCHULE BRENNT

MANTA MANTA

UND TSCHÜSS

DER TRIP

… sowie eine ganze Reihe TV-Episoden und unfassbare Trash-Horrorstreifen. So eine Filmographie hätte ich dereinst auch gerne auf meinem Grabstein.

Und dann noch die Musik – da gibt es auch was zu entdecken:

Über THE TOUCH hatten wir ja schon gesprochen, aber Sängerin Barbara Benton ist auch nicht irgendwer – sondern als Barbi Benton eines der legendärsten Playmates der 60er und 70er Jahre. Die war aber auch niedlich:

Tatsächlich erlebte sie in den frühen 80ern so etwas wie ein Comeback, als sie sich im reifen Alter von 35 noch mal für das Häschen-Heft frei machte:

Dass sie sich als Schauspielerin versucht hatte, war mir bewusst – sie war so etwas wie die amerikanische Ingrid Steeger im KLIMBIM-Vorläufer HEE HAW gewesen. Aber dass sie sich auch als Musikerin präsentierte, verriet mir erst ihr Wikipedia-Eintrag.

Wie sie mit einem Song in den SCHULMÄDCHEN gelandet ist? Keine Ahnung.

Und damit sind wir bei der Regie – verbrochen hat SCHULMÄDCHEN ’84 der hier:

Wie viele deutsche Filmschaffende hat Nikolai "Niki" Müllerschön eine ziemlich eklektische Karriere vorzuweisen, die zwischen Anarchie und Kommerz pendelt – den coolen Thriller OPERATION DEAD END haben wir ihm ebenso zu verdanken wie den kapitalen Alpensoap-Flop GLETSCHER-CLAN. Er dreht Seicht-TV wie UM HIMMELS WILLEN genauso wie das Kino-Drama DER ROTE BARON. Jeder muss irgendwie die Miete zahlen. Und am Anfang seiner Zeit als Filmemacher besorgten das halt Streifen wie SCHULMÄDCHEN ’84 und EIN IRRES FEELING (der auch noch auf meiner Liste steht).

Zwei Stunden Arbeit – und ich habe gerade mal den VORSPANN geschafft! Das kann ja heiter werden…

Es wird übrigens immer wieder vorkommen, dass ich die Protagonisten der Geschichte nur "der Junge", "das Mädchen" oder "die Freundin" nenne – SCHULMÄDCHEN ’84 ist notorisch schlampig darin, seine Figuren ordnungsgemäß zu benamsen. Die Episodentitel denke ich mir zur besseren Unterscheidung einfach aus.

Episode 1 – Heiße Küsse in der Rollerdisco

Ja. Rollerdisco. So wie GURU JAKOB 1983 noch das Hohelied der Discomusik sang, hält SCHULMÄDCHEN ’84 die Rollerdisco für den angesagten Treffpunkt der Jugend 1984. Ich bin eher überrascht, dass es damals noch eine Rollerdisco gab (der im Vorspann übrigens brav für die Mitarbeit gedankt wird). Und so steigen wir mit zwei Minuten athletischem Geroller ein:

Ungefähr so plotfördernd wie die Stock Car Fahrer im LUTSCHBONBON, aber wenigstens ist es bunt, laut und wir hören den ersten Song von Mr. Darby, der selbst bei schlechter deutscher Popmucke seine stimmlichen Qualitäten nicht verstecken muss.

Ja, so sah sie aus, die Jugend anno 1984. Ich war einer von ihnen, wenn auch nicht einer von denen hier – Gott bewahre:

Die hübsche junge Dame, die auf dem Großteil der Artwork zum Film zu sehen ist (Petra Campbell?), ist überrascht, hier auf ihren Freund zu treffen, der doch angeblich was anderes vorhatte an diesem Abend. Aber er will nur mit seinen Kumpeln abhängen und lässt sie bös abblitzen. Das zeigt schon ungefähr den Realitätslevel der Beziehungskisten der SCHULMÄDCHEN – als ob SO EINER ernsthaft SO EINE stehen lassen würde.

Das Mädel tut, was Mädels tun – zuerst knuddelt und heult sie sich bei der Freundin aus…

… und flirtet dann zeitnah mit dem DJ des Hauses, der ein paar flotte Breakdance-Moves drauf hat. Welches Mädchen kann da schon widerstehen? 1984, meine ich. Nicht heute.

Es kommt zu ein wenig Geknutsche im Betriebsbereich der Rollerdisco – merke: 1984 war Neonbeleuchtung angesagt und sexy:

Der Freund merkt’s und kann nur noch deppert gucken:

Damit ist die erste Geschichte auch schon rum und ich ein wenig baff: Keine Handlung? Kein Twist? Nicht mal ein bisschen Backfisch-Sex? Buuuhh…!!!

Episode 2 – Geronimo’s Cadillac needs a condom

Wir sollen gleich zum Anfang glauben, dass die Teenager dieses Films in einer solchen Zuhälter-Limousine Petting betreiben:

Aber siehe da, es gibt wenigstens schon mal Nippel zu sehen. Irgendwie.  Wenn man ganz genau hinschaut und wenig Ansprüche an die erotische Wirkung stellt:

Aber der romantische Abend kommt nicht recht in die Puschen, denn "er" möchte halt doch mal Koitus, den "sie" unter lauter fadenscheinigen Gründen ablehnt, woraufhin er sich genau so arschig verhält wie der Kollege aus Episode 1. Die beiden können mit Tommi aus GURU JAKOB einen Stammtisch der Schmierlappen aufmachen.

Mangels Sex-Option einigt man sich auf Oralverkehr – sie bei ihm natürlich. 1984 war es noch nicht üblich, dass der Mann den Gefallen erwidern musste.

Am nächsten Tag beschwert sich die junge Frau bei der Freundin, dass das mit dem Oralsex nicht so dolle war – weswegen irgendwie ein Weg gefunden werden muss, stattdessen "echten" Sex zu haben. Kann man sehen wie man will – aber Respekt für Niki Müllerschön, dass er dabei konsequent heiße Würstchen in den Vordergrund stellt. Das ist mehr Ironie, als man dem Film zutrauen möchte:

Die Freundin, erfahrener und rotziger als unsere scheue Nachwuchs-Bläserin, sieht in einem Kondom die Lösung des Problems. Aber woher nehmen und nicht stehlen? Ich hätte jetzt Tanke, Drogerie oder Apotheke gesagt, aber hier lautet die Antwort "Herrentoilette der nächsten Kneipe".

Münchner Lokalkolorit for the win:

Das Geld landet im formschönen Automaten, die anwesenden Kerle müssen sich von der frechen Freundin rasend komische Sprüche anhören:

"Hey Mann, pass auf, dass du dir nicht unters Kinn pinkelst. Und reiß keinen blöden Witze – den stärksten hältst du selbst in der Hand."

"Aufpassen – sonst fällt dir vor lauter Staunen noch ein Ei aus der Hose!"

Bei soviel geballter Weiblichkeit pissen sich die Jungs natürlich in die und an die Hose – was Softsex-Urgestein Alexander Gittinger mit dem genretypischen "doofen Gesicht" quittiert:

Ihr lacht – aber der hat damit Geld verdient. Und zwar nicht schlecht!

Nächste Runde Petting in der Garage. Das Mädel gesteht endlich, dass sie einfach die Pille nicht nimmt, woraufhin er natürlich wieder total angefressen ist. Selbst die BRAVO wusste zu der Zeit schon, dass man Verständnis zeigen (oder wenigstens heucheln) sollte. Aber für die Macher des Films ist es okay, dass er hier eigentlich der Angeschmierte ist – denn er hat ja wohl ein Anrecht auf Sex, oder?

Dank Kondom kann der endlich zu erwartende Geschlechtsverkehr nun auch daheim stattfinden. Nur leider stellt sich raus. dass "er" mit Kondom keinen Ständer halten kann. Hätte die Episode hier Schluss gemacht, wäre ich zufrieden gewesen, denn die Pointe wäre mal auf Kosten des Arschlochs gegangen. Aber leider nein, denn unsere Bettakrobatin in Ausbildung schlägt alternativ die Verwendung eines spermiziden Schaumgels vor. Alles, Hauptsache ihr Kerl kommt heute noch zum ersehnten Schuss.

Es soll nicht sein: nach einem Nickerchen stellt sich heraus, dass das Spermizid aus der Vagina des Mädchens das ganze Bett vollgeschäumt hat.

Ha ha!

Oder?

Ich schäme mich gerade ein bisschen und überdenke die Auswahl dieses Films für meine Fotostory. Wenigstens habe ich endlich mal wen erkannt – die junge Dame ist definitiv die oben bereits abgebildete Susan(n) Winter.

Episode 3 – Anhalterinnen-Report

Wieder eine Disco, wieder ein DJ, wieder Terence Darby, wieder tanzende Jugend anno 84 – man entschuldige die Bildqualität, aber rot war für VHS immer schon ein Problem:

"Susi" (eine der wenigen identifizierbaren Figuren aus der Castliste) findet die Action zum späten Abend eher mau, aber erst die Freundin und dann diverse Bekannte vergeigen jeden Plan, zeitig heim zu kommen. Sie steckt fest. Als sie einen Kumpel nach der Uhrzeit fragt (Alexander Gittinger again!), schüttet dieser sich Bier auf die Hose.

Frustriert muss Susi das Angebot eines Typen annehmen, sie mit dem Motorrad in der Winternacht heimzufahren. Wie gut, dass das "Schulmädchen" einen Pelz dabei hat.

Leider ist das Motorrad ein Rohrkrepierer und so muss Susi in der frühen Morgenstunde zu Fuß die Landstraße entlang marschieren. Ein freundlicher älterer Herr gabelt sie auf – und weil es sich bei Susi um Jaqueline Elber und bei dem älteren Herren um Rolf Zacher handelt, ahnen wir schon, worauf das hinaus läuft – versuchte Vergewaltigung, einer der Humor-"Standards" dieser Sorte Film:

Erfreulicherweise hat Susi in der Schule gut aufgepasst, was man als junge Frau in einer solchen Situation tun soll – Bluse auf und enthusiastische Begeisterung heucheln!

Denn siehe – angesichts der enthüllten Leibespracht kann der potenzielle Sexualstraftäter nur noch dumm drein schauen:

Damit hat er nicht gerechnet, da macht er sich lieber aus dem Staub.

Ja, auch hier ist fremdschämen die richtige Reaktion, zumal die Episode seltsam wirr geschnitten ist und die Botschaft doch wohl nicht sein kann, dass junge Mädchen im Fall einer sexuellen Nötigung einfach mitmachen sollen. What the actual fuck?!

Episode 4 – Wenn duschen in die Hose geht

In dieser Episode steht endlich mal der Junge im Mittelpunkt – und es geht um eine klassische Mannwerdung, wie man sie sich im Softcore-Schmuddelfilm vorstellt. Nach einem Sportunterricht entscheiden die Klassenkameraden fix, dem "Helden" die Klamotten zu klauen, während er noch unter der Dusche steht.

Auch das Handtuch stibitzen sie, während er sich schampuniert:

Nur zwei unpassende Schuhe und eine Papiertüte für den Unterbleib bleiben, um sich auf die frustrierte Suche nach dem fehlenden Textil zu machen. Das wäre lustiger, wenn es für Männer ein Problem irgendeiner Art wäre, mit blankem Oberkörper herum zu laufen. Nun ja, ich glaube hier einfach mal alles, was der Handlung dient.

Zwei Duschräume weiter – da ist doch jemand?

Siehe, es ist eine hübsche Blondine, die auch nicht gleich nach der Polizei schreit oder das Pfefferspray zieht (woher auch?), sondern den Papierträger keck herbei winkt.

Es kommt einem bisschen feuchten Gegrabbel, was beim notorisch verklemmten SCHULMÄDCHEN ’84 – das lässt sich jetzt schon sagen – als "Sex" durchgeht:

Nach der Unzucht mit Abhängigen bekommt der junge Stecher einen Jogginganzug geliehen, der seinen Kumpanen signalisiert, was da gerade gelaufen sein könnte…

Es ist wirklich ärgerlich – mit ein bisschen Bemühen, die Begegnung von Schüler und Lehrerin überraschender oder unerwarteter zu gestalten, hätte ich die Episode glatt als okay durchgehen lassen, zumal Erotikfilm-Veteranin Sandra Atia sehr nett anzuschauen ist. Aber der Film macht sich so gar keine Mühe, irgendwas zu erzählen.

Episode 5 – Terence schiebt eine Nummer

Zwei Freundinnen besprechen das Abendprogramm. Die flotte nena-eske hinter dem Tresen will unbedingt zum Konzert der angesagten Superband THE TOUCH mit dem süßen Sänger Terence, während die eher unscheinbare Maus vor dem Tresen irgendwie wenig Bock hat. Aber nach einer ausreichende Menge "doch – machen wir!" lässt sie sich erweichen. It’s the rock’n’roll way!

Und da ist er auch schon – Terence Trent D’arby, ladies and gentlemen! Noch etwas unbeholfen gestylt, aber schon mit mächtig Dampf auf der Bühne der Provinzdisco.

Die Kamera weiß denn auch, welchen Teil die Mädels primär sehen wollen.

Kein Wunder, dass nach dem Konzert hinter der Bühne mächtig was los ist – alle Mädels wollen Terence! TERENCE!!! NIMM MICH!!! ICH WILL EIN KIND VON DIR!!!

Hier war wohl noch der Wunsch der Vater des Gedankens…

Da Terence kein Groupie- oder Gruppenvögler ist, dürfen Luschen wie der hier abgreifen, was sich willig aus dem Pulli pellt:

Die beiden Freundinnen sind empört – sowas kommt ja gar nicht in die Tüte! Zumal die mausgraue der beiden nur ihren verlorenen Schuh wiederhaben möchte.

Terence ist eigentlich ein ganz Netter und kann sich nicht vorstellen, dass Mädels wegen seiner Musik mit ihm in die Kiste wollen – er hat mal einen Film gesehen, da haben die Groupies einen Popstar wie ihn gefressen!

Aber nun kommt die mausgraue junge Dame und will nur ihren Schuh – und etwas Hilfe in Mathe für die Prüfung am nächsten Tag. Da trifft es sich gut, dass Terence hervorragend Nummern schieben kann. Man macht sich also an die Hausaufgaben.

Okay, dass man Terence Darby hier als netten Jungen präsentiert, ist der Promotion geschuldet – kein Problem. Aber die Schamhaftigkeit, mit der Sex umgangen statt gesucht wird, hat schon den Anflug von Parodie. Als würde man die Erwartungen des Publikums gezielt unterlaufen. Das ist auch ein generelles Problem des Films: man merkt ständig, dass er eigentlich keinen Sex zeigen will.

Es gibt aber einen Bonuspunkt dafür, dass Terence ganz beschissen deutsch synchronisiert wurde mit so einem lachhaften Pseudo-Ami-Akzent.

Episode 6 – Nachhilfe in Sachen Sex

Zwei Freundinnen – von einer erfahren wir wenigstens, dass sie Anke heißt – versuchen, Jungs aus ihrer Klasse ins heimische Zimmer zu lotsen.

Leider erfolglos. Was vielleicht auch daran liegt, dass die hier niedergeschriebene Nummer definitiv NICHT die Nummer ist, die in der nächsten Sekunde diktiert und gewählt wird. Ähem. Da hat wohl das Skript-Girl versagt.

Am Ende der Liste bleibt nur der naive Sebastian. Aktuell ist er dabei, Penthouse oder Playboy zu lesen. So schüchtern, wie ihn die Mädchen finden, kann er also gar nicht sein. Ich kann mich zwar erinnern, in dem Alter auch die Ausgaben meines Vaters gelesen zu haben, aber nicht am gläsernen Schreibtisch in Sichtweite der Eltern.

So muss Sebastian des Hefterl auch blitzschnell abdecken, als die Mutter mit dem Telefon gelaufen kommt.

Jetzt kommt es – nach den Würstchen in Episode 2 – zur zweiten cleveren Einstellung, die zeigt, dass Müllerschön tatsächlich so etwas wie (minimale) Ambitionen hat. Während die Mutter Sebastian den Apparat reicht, sehen wir durch den Glastisch immer noch das Heft mit den Nackerten.

Anke und ihre Freundin sind total baff, dass Sebastian das Angebot zur "Mathenachhilfe" annimmt. Was haben sie denn erwartet?! Sollte das alles nur ein Prank sein?! Wenn ja, warum und wieso?! Fragen über Fragen.

Nun steht der Besuch von Sebastian (den alle damals bestimmt "Sebi" nannten) ins Haus. Um ihn zu verführen, sollte ja eigentlich das Lüpfen eines Pullis reichen, aber Anke und ihre Freundin gehen auf Nummer Sicher und greifen zum harten Stoff:

Würde man die Geschlechter umdrehen, müsste die Geschichte hier schon enden – eine Frau zum Geschlechtsverkehr abzufüllen hätte man schon 1984 nicht mehr für witzig gehalten. Aber einen hackedichten Mann aufreißen? Brüller.

Von der Tatsache, dass die Performance eines Volltrunkenen üblicherweise zu wüschen übrig lässt, fange ich hier gar nicht erst an.

So wird Sebastian unter Zuhilfenahme von Ballantines und Räucherstäbchen (es waren die 80er, fürwahr) in einen schweren Rausch versetzt. Die eine Freundin (Anke?) lässt dann auch noch Badewasser ein (???).

Der junge Mann kriegt kaum noch was mit – also runter mit den Klamotten. Auch hier gilt: einfach mal mit umgekehrten Rollen vorstellen:

Wie von der gefüllten Badewanne vorgegeben torkelt Sebastian besinnungslos ins Nass – PLATSCH!

Die beiden Mädels werden feucht – anders, als sie sich das vorgestellt hatten:

Da Sebastian keine Regung mehr zeigt, ist guter Rat teuer. Seine Mutter anrufen und um Hilfe bitten? Die erste Option. Ausziehen und in Reizwäsche schlüpfen? Option 2.

Sebastian schafft es kaum aus der Badewanne zurück ins Zimmer, da wird er von den Mädchen überwältigt und auf die Matratze gezerrt. Viel Widerstand kann er in seinem Zustand ja nicht leisten. Auf die panische Frage, was sie mit ihm vorhaben, antworten sie nur "das wirst du gleich sehen".

Ja, man darf schon ein bisschen fassungslos sein. Ich muss wohl nicht erklären, dass die Vergewaltigung eines Mannes genau so wenig erträglich ist wie die Vergewaltigung einer Frau (siehe auch GURU JAKOB), schon gar nicht im Kontext einer "Erotik-Komödie". Es ist wirklich schwer vorstellbar, in welchem Suff die Macher gedacht haben, hier in den Grenzen des Erzählbaren zu bleiben. Die Tatsache, dass die einzigen nackten Tatsachen auf einen kurzen Pullilüpfer einer der jungen Damen beschränkt bleiben, bestätigt zusätzlich, dass weder die Autoren noch der Regisseur verstanden haben, wie das Genre funktioniert oder was es braucht.

Sebastian ist übrigens (vermutlich) Ko-Autor Rainer Grupe  – ich wage nicht zu unterstellen, welche Phantasien der da verarbeitet.

Episode 7 – Werkstatt Willig

Keine Frage – wir befinden uns in einer KFZ-Werkstatt. Vier Schrauberlinge sind bei der Arbeit und es ist nicht schwer zu erraten, dass sich unter den Unisex-Overalls nicht nur Jungs verstecken:

Einer der Lehrlinge erlaubt sich mit seinem Kumpel den duften Scherz, ihm Öl über die Klamotten zu schütten:

Vielleicht nicht für das Öl, aber für den Gesichtsausdruck sollte man ihm eine schmieren:

Der Kollege kann nicht anders als Kopf anstoßen und dumm drein schauen:

Mädel Nummer 1 findet’s total lustig:

Mädel Nummer 2 findet’s auch total lustig:

Keine Frage – das gibt Keilerei!

Und wie enden solche Keilereien üblicherweise? Mit einem flotten Vierer im Sportwagen auf der Hebebühne. Hätte ich einen Euro für jedes Mal, dass mir DAS passiert ist:

Der Meister möchte den Wagen an den Kunden zurück geben, entdeckt aber gerade noch die ent-overallten Leiber seiner Azubis und fährt fix die Hebebühne hoch:

Der Meister ist übrigens der oben erwähnte Regisseur Franz Marischka.

Leider lässt sich die Schweinerei nicht ewig verheimlichen, denn plötzlich fällt den Männern ein nacktes Maderl in die Hände. Kundenservice!

Was das alles soll? Keine Ahnung – vielleicht Setup für die radikale tonale Änderung, als Mädel 2 (ein paar Tage später?) verkündet, sie sei schwanger und wisse nicht, von wem.

Schon wieder kommt es zum Streit zwischen den Jungs – denn ganz wider den Zeitgeist würden beide sehr gerne der Vater des Kindes sein:

Aber es stellt sich als Fehlalarm heraus – schwanger ist nämlich Mädel 1:

Und ich so: WATT??? Was soll das für eine "Geschichte" sein? An welcher Stelle ist das sexy? Soll ich lachen?

Episode 8 – Im Waschsalon zum 7. Himmel

ER ist gerade dabei, seine Wäsche im Waschsalon in die Trommel zu stopfen:

SIE – augenscheinlich eine Schwalbe der Nacht – bittet ihn, ein paar ihrer Textilien zu seiner Ladung hinzu zu geben.

Trommel, Ladung, Schleudergang – Platz für ausreichend sexuelle Doppeldeutung, aber dafür reicht es in diesem Film natürlich nicht. Schwung kommt erst in die Geschichte, als der fiese Boomboxer den Salon betritt und sofort beginnt, die Lady anzubaggern. Sie wehrt sich eloquent:

"Häng dir deinen Videorekorder um den Hals und spring in die Isar."

Als der Fiesling zu weit geht, schreitet unser junger Held ein. Nicht mit ihm! Die Lady scheint dabei mehr an ihrer Waschladung interessiert:

Der Streit könnte schnell vorbei sein, wenn nicht zwei weitere Boomboxer ihrem Kollegen zur Hilfe eilen würden. Ehrlich jetzt – es gab in den 80er GANGS von Boomboxern in München? Das muss mir entgangen sein.

Die Rauferei verlagert sich nach draußen und wer zahlt wieder mit einem kräftigen Stoß auf das Pflaster und einem dumm-traurigen Blick? The everlasting Alexander Gittinger!

Der tapfere Held hat die Bordsteinschwalbe in seinen LKW verladen und nach Hause gebracht – angesichts der Tanke tippe ich auf Baaderstraße Ecke Rumfordstraße.

Dummerweise lässt er nun den Schlüssel im LKW und kann nicht mehr weg. Die Lady lädt ihn in ihre Wohnung ein – angesichts ihrer begrenzten schauspielerischen Fähigkeiten kann ich darin keine Doppeldeutigkeit lesen.

Kurioserweise hat der Galan zwar nicht den Schlüssel zum LKW, aber den zur Ladefläche – er nimmt einen Fisch mit, den er seiner Gastgeberin gekonnt brät:

Sie geht derweil duschen und wieder zeigt sich: SCHULMÄDCHEN ’84 begnügt sich in den meisten Fällen, irgendwo eine harmlose Nacktszene einzuschieben statt die Geschichten tatsächlich folgerichtig auf den Sex hin zu erzählen.

Es klingelt an der Tür. Wir ahnen: wo eine Bordsteinschwalbe, da auch ein Zuhälter. Und der hier wurde gerade aus dem Knast entlassen und ist sehr stinkig. Kein idealer Zeitpunkt, einen jungen Verehrer am Herd zu haben.

Wie in einer schlechten Boulevard-Komödie muss der Koch nun auf den Balkon – samt Pfanne, Fisch und Besteck. Dass die ganze Bude nach Fisch stinken müsste? Geschenkt.

Während die Prostituierte ihren Knasti beruhigt, wandert der Fischlieferant entspannt zum nächsten Balkon und lädt die Nachbarin zum Fisch-Dinner ein:

Das ist tatsächlich so etwas wie eine Geschichte, mit Wendungen und Pointen. Von der Sorte hätte SCHULMÄDCHEN ’84 mehr brauchen können – und mehr Sex. Denn hätte die Bordsteinschwalbe nicht zufällig den Drang zur Dusche gehabt, wäre auch diese Episode gänzlich jugendfrei geblieben.

Speaking of jugendfrei

Episode 9 – Ballett der Begierde

Wir sehen IHR zwei, drei Minuten beim Ballet zu:

Dann taucht ER auf. Stalker? Spanner? Spinner?

Mitnichten – es ist ihr Freund, den sie schon sehnsüchtig erwartet hat:

Doch es kommt zum Streit – sie erkennt, dass er sich zur Bundeswehr hat einziehen lassen, obwohl das bedeutet, dass sie lange getrennt sein werden:

Er bittet sie um Verständnis, beide pimpern noch mal (komplett off camera) auf dem Hallenboden – dann trennen sich ihre Wege. Ihm bleibt nur die Erinnerung:

Ihr bleibt nur der Tanz:

WHAT THE HELL?! Das hier sieht aus wie ein Musikvideo oder ein Ausschnitt aus einem Tanzfilm. Es hat null Erotik, null Story – und weil das Budget nicht mal für Uniformen gereicht hat, tragen die drei Soldaten allen Ernstes ORANGENE OVERALLS!

Ich gebe gerne einen Bonuspunkt dafür, dass die Episode versucht, etwas stylisher und inszenierter zu wirken als der Rest des Films. Aber es sollte doch trotzdem IRGENDWAS mit Schulmädchen zu tun haben, oder? An manchen Stellen hat man das Gefühl, die Macher hätten irgend ein paar Kurzfilme, die sie Testzwecken mal gedreht hatten, in die Zweitverwertung genommen.

Durchhalten. Noch zwei Episoden. Durchhalten.

Episode 10 – Puffbesuch mit Rolli

Ein schüchterner Jungmann zieht mit einem falschen Freund – Rolf Zacher, diesmal als "Rolli" – durch das Münchner Nachtleben. Die Rollenverteilung ist klar: der Junge möchte was erleben und Rolli möchte ihn ausnehmen:

Die beiden landen in einem Puff und es ist unvermeidbar hier, dass wir den Schmierling Otto Retzer treffen. Wo sonst könnte er sich aufhalten?

Ein schon recht betrunkener Gast geht sehr leichtfertig mit seiner Barschaft um:

Rolli ist sofort in seinem Element und nimmt seinem Schützling das wenige Geld, was er hat, sofort ab, um es in Wein, Weib und Koks zu investieren (vermute ich):

Aber siehe – der eben erwähnte Trunkenbold hat einen dicken Schein fallen lassen:

Unser junger Protagonist ergreift seine Chance, klebt einen Kaugummi an den Schuh und angelt sich den 500er unauffällig:

Ganz unbemerkt geblieben ist die Aktion nicht: eine der "Damen des Hauses" nimmt ihn mit aufs Zimmer und bietet sich zum lüsternen Zeitvertreib an, auch wenn ihre Preisgestaltung etwas verwirrend ist:

"Normalerweise kostet es 150. Du kannst aber für 300 alles haben. Aber ich mache dir einen Sonderpreis: für dich kostet’s gar nichts."

Es kommt zu einem der seltenen echten Geschlechtsverkehre im Film und zur flüchtigen einzigen Ansicht eines weiblichen Schambereichs.

Die Pointe ist nicht schwer zu erahnen – am Ende ist der Junge seinen Schein wieder los. Wie gewonnen, so zerronnen. Wenigstens hat er einen Gegenwert für das Diebesgut erhalten. Wie das moralisch einzuordnen ist? Keine Ahnung.

Auch das hier hätte mit ein wenig mehr Mühe als Geschichte ganz nett sein können, hätte sich mit Fragen von Unschuld, Vertrauen und Käuflichkeit auseinander setzen können. Aber das wäre mehr Aufwand gewesen, als man zu investieren bereit war.

In dieser Episode läuft übrigens der Song "Love" von Barbara Benton. Und er ist mit "fürchterlich" noch schmeichelhaft umschrieben.

Episode 11 – Doppelt schwul hält besser

Im Finale geht es um eine junge Dame, die zwar weder nett noch charmant ist, es aber trotzdem versteht, sich gleich zwei Verehrer zu halten, die sich von ihr ausnutzen lassen.  Verehrer Nummer 1 ist für die Renovierung der Wohnung zuständig:

Es braucht für den willigen Mann ja bekanntlich nur wenig Motivation:

Verehrer Nummer 2 hat ein Cabrio und eignet sich ideal für Besorgungen und Investitionen – man fährt augenscheinlich durch das Edel-Viertel Lehel, genauer gesagt die Gewürzmühlstraße Richtung Isar (der Bogen über der Straße existiert heute nicht mehr):

Aber der Schwindel fliegt auf, als die beiden Männer sich zufällig begegnen und einen Plan schmieden, um es dem selbstsüchtigen Luder zu zeigen:

Sie konfrontieren die junge Dame – mit der Erkenntnis, schwul zu sein:

Das kann man tuntig und abgeschmackt finden, wirklich indiskutabel wird es aber erst, als die junge Frau sich dazu äußert:

"Ihr Schweine! Ihr schwulen Schweine! Ihr seid doch pervers!"

Und weil Homosexualität nur durch einen Mangel an Alternativen entsteht, macht sie den beiden ein Angebot, das die Jungs kaum ablehnen können:

Am Ende bekommt sie, was sie will:

Und die Moral von der Geschichte? Wenn du Jungs schon an der Nase rum führst, musst du dich wenigstens ab und an von ihnen als Gegenleistung durchbumsen lassen.

Ja, da hat SCHULMÄDCHEN ’84 zum Ende noch mal ein richtiges Highlight hingelegt. Homophob und schwer sexistisch obendrein. Der perfekte Deckel auf diesen Sarg.

Und damit habe ich es geschafft. 80 Minuten, über 110 Bilder, und die Feststellung, dass SCHULMÄDCHEN ’84 keine modern aufgehübschte Variante der 70er-Softsexfilme ist, sondern ein gänzlich ekelhafter und vor indiskutablen Szenen und Konstellationen strotzender Primitivstreifen, für den sich alle Beteiligten heute hoffentlich in Grund und Boden schämen (abgesehen von Marischka, Retzer und Zacher, die sich bekanntlich nie für irgendwas geschämt haben).

SCHULMÄDCHEN ’84 ist eine eilends herunter gekurbelte Szenensammlung ohne Klammer oder Verstand, die auf keiner Ebene auch nur Mindestniveau erreicht und nicht einmal die Bringschuld einlöst, für den zu ertragenden Dummfug wenigstens einen Gegenwert in Sachen weiblicher Schauwerte zu bieten. Moralisch für keine Dreckigkeit zu schade, wird beim Sex dann aber verschämt weg geguckt. Das muss man sich erstmal trauen.

Der Film war seinerzeit ab 16 freigegeben, weil Nacktszenen. Dass aber Vergewaltigung, Verhöhnung von Homosexuellen und die bedienten niederen Instinkte keine Gründe für eine Hochstufung waren, zeigt schön die Schizophrenie des damaligen Systems.

Ich darf die Frage stellen, was genau das Lexikon des Internationalen Films in seiner vagen Kritik mit "schick angelegt" und "Klischees" meint:

Elf lose aneinandergereihte Episoden zum Thema Nr. 1. Auf Tempo und modischen Schick angelegter Unterhaltungsfilm voller Klischees. (Späterer Titel: Schulmädchen von der Klasse Sex")"

Weder ist der Film schick – meistens kommt er kaum über das Niveau eines Pornos hinaus -, noch bedient er Klischees. Er bedient allenfalls üble Vorurteile.

Es passt wie die Faust aufs Auge, dass das vielfach verwendete Poster-Motiv zwar zwei Darsteller des Films zeigt, diese im Film aber nichts miteinander zu tun haben. Ist ja dann auch schon egal. Genauso wie die Tatsache, dass in mindestens vier der elf Geschichten gar keine Schulmädchen vorkommen.

Man darf sich vom oberflächlich harmlosen Auftreten der Geschichten nicht täuschen lassen: Sehenswert ist SCHULMÄDCHEN ’84 letztlich nur als Studienobjekt, als abschreckendes Beispiel und als Maßstab für die Schmierigkeit des deutschen Films in seiner vermutlich niedersten Phase. Der hier lässt GURU JAKOB und das LUTSCHBONBON wie richtige, professionelle Filme aussehen – und das ist so falsch, dass es ein Loch ins Universum zu reißen droht.


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Dietmar

wer die 80er nüchtern erlebt hat

*meld*

erinnert sich an BILD-Editionen mehr oder weniger populärer Filme, die für zehn Mark im Pappschuber verramscht wurden

o.o Was an mir so alles vorbei gegangen ist … Naja, Landleben, wahrscheinlich liegt´s daran.

[Nach der Lektüre]

Liebe Kinder und Jugendliche (also alle unter 50):

Die 80-er waren schon irgendwie eine tolle Zeit und wir haben auch Tolles erlebt. Aber so, wie in diesem Film, war es nicht. Versprochen. Geht als Dokumentation nicht durch. Nicht, dass Ihr noch ein falsches Bild von uns habt…

[Puh. Gerade noch gerettet, oder?]

sergej
sergej

inzestuöser Sumpf:
Jonny Jürgens und Jaqueline Elber (Alexander Gittinger ebenfalls) spielen in Sunshine Reggae auf Ibiza" mit. Waren ihre Rollen (Frankie und Barbara) am Ende nicht sogar ein Paar?

Henning

Vielen Dank für die wunderschöne Analyse (?).

"Softsex-Urgestein" ist schlichtweg überragend. Plane, neue Visitenkarten anzufertigen.

MinkyMietze
MinkyMietze

Voller Bewunderung sitze ich da und fage mich: Wie hält der Mann das bloß aus; ich hätte schon nach der 1. Epsiode Brechdurchfall vor Ekel. Danke für dein Durchhaltvermögen; standing klingt im Zusamnmenhang des Films irgendwie fischig!

Pascal
Pascal

Passend zu Ostern:
Einer musste leiden damit wir alle erlöst werden.
Gerne mehr davon. Auch wenn es wie du sagst wohl eine Heidenarbeit ist. ?

trackback

[…] wieder über das Frauenbild des Films diskutieren. Zwar wird hier versuchte Vergewaltigung nicht als großer Spaß verkauft, aber natürlich haben auch in dieser Zukunft die Männer vollumfänglich das Sagen und die Frauen […]